Die Einschätzung des Themas mobiles Lernen und Arbeiten (M-Learning und M-Working) geht weit auseinander. Für die LEARNTEC 2006 ist es ein Themenschwerpunkt. Die Zeitschrift Wirtschaft und Weiterbildung betitelt eine Artikel “M-Learning: Viel Lärm um nichts“. Ohne Fragezeichen, als Feststellung! M-Learning und M-Working: Wiedermal ein Branchenhype? Ist es dafür noch zu früh?

Wie relevant ist M-Learning?

Wenn Sie bei Google-Deutschland den Begriff M-Learning eingeben, erhalten Sie 13.400 Treffer. Bei dem Begriff E-Learning sind es 3.660.000. Von einem eingeführten Begriff können wir hier nicht sprechen.

Eigene Erfahrungen

Wir verfügen seit ca. 1,5 Jahren über Erfahrungen mit Live-Online-Training und mobilen Teilnehmern. Ich selbst leitete schon so manche Webkonferenz vom Hotel aus. Unsere Teilnehmer saßen in Flughafen Lounges oder im Auto auf dem Parkplatz an einer Autobahn. Zuletzt haben wir auf der LEARNTEC 2005 massiv auf UMTS gesetzt und vier Tage lang Webinare über diese neue Mobilfunktechnik präsentiert. Und es ging hervorragend!

Auch Teilnehmer, die sich über GPRS (gängiger Mobilfunkstandard zur Datenübertragung) einwählten, waren sehr zufrieden. Es gibt natürlich leichte zeitliche Verzögerungen gegenüber dem Festnetz, aber die sind nicht wirklich störend.

Die Zukunft?

Die Durchführung von Videokonferenzen per Handy empfinde ich als nicht wirklich relevante Alternative. Das besondere Merkmal von Live-Online-Sessions ist das produktive Zusammenarbeiten über Distanzen. Einer Teilnehmerbefragung aus den Jahr 2004 zufolge sind bewegte Videoübertragungen des Trainer ein verzichtbares Element. Warum also gerade dieses Element in den Vordergrund stellen? Für Besprechungen mit persönlichem Charakter sinnvoll, für Training aber nicht.

Die Übertragung von Präsentationen und Application Sharing auf einen Minibildschirm vermittelt vielleicht das subjektive Gefühl “dabei zu sein”. Eine echte Möglichkeit zur Zusammenarbeit über Distanzen sehe ich darin nicht.

Das stille Örtchen

Mobiles Lernen unter der Nutzung von Notebooks ist heutzutage “State of the Art”. Technisch ausgereift, aber noch neu und ungewohnt. Es stellt sich eher die organisatorische Frage: Wo finde ich auf dem Flughafen ein ruhiges Plätzchen?

Haben Sie schon mal an einer Telefonkonferenz teilgenommen, bei der im Hintergrund die Abflugansagen zu hören waren? Ein zentrales – informelles – Element dieser Telefonkonferenz war das Fernweh und die Frage: “Wie lange dauert es noch bis zu meinem nächsten Urlaub?” ;-)

Hotelzimmer und Hotellounges bieten hier eine bessere Basis. Und was ist mit Internetcafes? Eigentlich wären diese gut geeignet, um Geschäftreisenden einen ruhigen Platz zu bieten. Hier im Rhein-Main-Gebiet wirken viele Internetcafes aber nicht sehr vertrauenserweckend. Meine Schlußfolgerung: In der Praxis ist die Lösung dieser Frage nicht ganz einfach.

Welche Software eignet sich?

UMTS und GPRS stellen als existierende Mobilfunktechnologie eine gute funktionierende und verbreitete Basis. Wer keine Datenkarte hat, arbeitet in einem Bistro oder Hotel mit W-Lan (Wireless Lan). Bleibt noch die Frage, welcher virtual Classroom ist mobilfunktauglich? Wir haben mit dem “Trainings Center” von Foroso und mit “Breeze” von Macromedia gute Erfahrungen gemacht. Das ist natürlich nur unser Auschnitt aus den Möglichkeiten, es gibt mit Sicherheit noch andere Systeme.

Ein Fazit? Eher ein Eindruck!

Bei einer erheblichen Anzahl von Live -Online-Sessions ist mindestens ein Teilnehmer nicht mehr an seinem angestammten Arbeitsplatz. Die Tendenz ist steigend. Inwieweit neue Endgeräte wie Blackberry, PDA oder multimediafähige  Handys das Notebook ablösen und ob die Technologie dann akzeptiert wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht entwickeln sich ja ganz neue Formen der Realtime Collaboration, die wir uns heute noch nicht konkret vorstellen können.

Live-Online-Sessions sind auf jeden Fall schon heute eine praxiserprobte Methode, um mit “Mobile Workers” oder zum “Homeoffice” direkten und sozialen Kontakt herzustellen und das Gefühl des Eingebundenseins trotz Reisetätigkeit und wechselnder Einsatzorte zu vermitteln.

Anmerkung: Dieser Artikel ist eine leicht überarbeitete Version des Orginals: Live-Online-Collaboration Blog